Essen. Einfach losgehen und Blumen fotografieren – was als Scherz unter zwei Studierenden begann, führte Xiaole Ju letztlich zu seiner Arbeit „Warum fotografiert man Blumen?“, die nun im Rundeindicker der Kohlenwäsche auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ausgestellt wird. Mit seinen zurückhaltenden Schwarz-Weiß-Bildern sucht der Fotograf das Besondere im Alltäglichen und lässt Gästen vielfältige Interpretationsmöglichkeiten offen. Die Schau ist Teil der Reihe „Aktuelle Fotografie im Ruhrgebiet. Pixelprojekt auf Zollverein“ und bis Sonntag, 19. Oktober 2025, zu besichtigen.
Auf der Suche nach einem Projekt für seine Masterarbeit ließ sich der in China geborene Fotograf von der Blütenpracht an seiner Universität, auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein und in der ganzen Stadt inspirieren. „Es gibt keine Methode, wie ich die Bilder finde, vielmehr finden die Bilder mich“, sagt Xiaole Ju. In seinen Bildern fängt er Blumenarten wie Rosen, Schmetterlingsflieder, Goldruten, Gänseblümchen und Narzissen ein – ohne diese im klassischen Sinn in ihrer Schönheit und Farbenpracht darzustellen, denn Xiaole Ju hat sich für Schwarz-Weiß-Aufnahmen entschieden. Die Umgebungen bleiben unspezifisch. Bäume und Büsche an Bahndämmen, Bepflanzungen an Treppenaufgängen oder an Grünflächen und am Straßenrand: Jedes Motiv spiegelt den urbanen Raum wieder und lässt das Ruhrgebiet erahnen. Blumen und Pflanzen bilden das verbindende Element zwischen den einzelnen Aufnahmen.
„Xiaole Ju hat sich gezielt für Mittelformatkameras aus den 1930er-Jahren entschieden, die mit gewissen Objektiv-Unschärfen einhergehen. Damit eröffnet er nicht nur einen größeren Interpretationsspielraum, sondern verleiht den Motiven auch ihre charakteristische Anmutung. So werden die Bilder aus ihrem Kontext gelöst und bilden ein zeitloses Panorama des Ruhrgebiets“, sagt Prof. Heinrich Theodor Grütter, Mitglied des Vorstands der Stiftung Zollverein sowie Direktor des Ruhr Museums.
Die Serie „Warum fotografiert man Blumen?“ von Xiaole Ju besteht aus rund 60 Aufnahmen; rund 30 von ihnen werden bis Sonntag, 19. Oktober 2025, im Rundeindicker ausgestellt. Es ist die neunte Schau der Ausstellungsreihe „Aktuelle Fotografie im Ruhrgebiet – Pixelprojekt auf Zollverein“, auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein. Ein dazugehöriger Katalog ist vor Ort bei der Buchhandlug Walther König in der Kohlenwäsche für 10 Euro erhältlich.
Kurzbiographie Xiaole Ju
Xiaole Ju wurde 1986 in Kunming (Provinz Yunnan), China, geboren. 2009 machte er seinen Bachelor in Grafikdesign am Beijing Institute of Fashion Technology. Am 1. Januar 2014 reiste er nach Deutschland, um sich hier für ein Studium der Fotografie zu bewerben, und konnte sich im Oktober 2014 an der Folkwang Universität der Künste einschreiben. Dort machte er 2019 seinen Bachelor und 2023 mit der Arbeit „Warum fotografiert man Blumen?“ seinen Master in Photography Studies and Practice. Seither ist er als freier Fotograf künstlerischer Projekte tätig und beschäftigt sich mit Kameratechnik.
Aktuelle Fotografie im Ruhrgebiet – Pixelprojekt auf Zollverein
Die Ausstellungsserie zeigt seit November 2021 zeitgenössische Positionen und Ruhrgebietsthemen, die von einer Fach-Jury ausgewählt werden. Die Jury besteht aus Vertreterinnen und Vertretern des Museums Folkwang, der Folkwang Universität der Künste, des Ruhr Museums, des Pixelprojekt_Ruhrgebiet, des Historischen Archivs Krupp sowie der Stiftung Zollverein. Mit der Reihe vereinen die Stiftung Zollverein und das Pixelprojekt_Ruhrgebiet in Kooperation mit dem Ruhr Museum ihre Fotokompetenzen und geben junger zeitgenössischen Fotografie eine Plattform.
Veranstaltung: Xiaole Ju – „Warum fotografiert man Blumen?“
Zeit: 30.03.-19.10.2025, täglich 10:00-18:00 Uhr
Veranstalterin: Stiftung Zollverein in Kooperation mit Pixelprojekt_Ruhrgebiet und dem Ruhr Museum
Ort: Rundeindicker in der Kohlenwäsche, UNESCO-Welterbe Zollverein, Essen
Eintritt: Erwachsene 3 €, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende unter 25 Jahren frei
Projektförderer: RAG-Stiftung sowie Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein e.V.
Über Pixelprojekt_Ruhrgebiet
Das Pixelprojekt_Ruhrgebiet wurde 2002 vom Fotografen Peter Liedtke entwickelt und 2003 auf Initiative von damals 26 freien Fotograf:innen gegründet. Es ist ein nicht kommerzielles Projekt, das hervorragende fotografische Serien zu einzelnen Aspekten der Region Ruhrgebiet sammelt, strukturiert und auf einer Internetseite sichtbar macht. Über die neu aufgenommenen Serien entscheidet eine Jury. Die mehr als 10.000 Bilder der Sammlung widmen sich Themen wie Ökologie, Soziales, Kultur, Stadt, Wohnen, Sport, dem wirtschaftlichen Wandel und vor allem den Menschen in der Region Ruhrgebiet.